EIN
TAG IN DER SAHARA
Dezember
2004 Jouireh - El Mida |
Gegen
7.00 Uhr : Der Tag erwacht, sanftes Licht umspielt den
Lagerplatz. Es ist noch still, nur die Chameliers sind schon
geschäftig: Laaidi backt Brot, Massaoud sucht die
Dromedare, die sich am Morgen schon auf die Suche nach
leckeren, stacheligen Büschen gemacht haben.

Nach
einer kurzen "Sahara-Toilette" geht jeder seiner
Morgenbeschäftigung nach: Tasche packen, auf einer Düne
meditieren, Träume der Nacht in ein kleines Wüstentagebuch
eintragen, helfen Dromedare einsammeln...hmmm...Kaffeeduft
durchzieht die noch kühle Morgenluft. Frühstück
ist fertig, wir
treffen uns am Feuer, freuen uns auf den Tag und genießen
das noch warme Sandbrot, Feigenmarmelade und heißen
Milchkaffee oder Tee. Anektoden der Nacht werden
ausgetauscht:
Fabelhafter Monduntergang, Besuch eines Dromedares am
Schlafplatz, Lichterketten aus tanzenden Sternen...
Die
Chameliers haben schon gegessen und trinken als sie mit
dem Bepacken der Tier fertig sind, noch ihren starken und
süßen Tee aus winzig kleinen Gläschen.
Kurz
nach 9.00h: Sonnencreme wird aufgetragen, die letzten
Scheschs werden gewickelt, Aufbruch. Die meisten
beschließen in den eher noch kühlen Morgenstunden zu
wandern. Das Gelände ist eben und einfach zu begehen.
Leichte Dünen im Wechsel mit flacher Steppe. Die Karawane
wandert an dürren Büschen vorbei und über kleine
Geröllplatten. Ali zeigt die Spuren der Nacht, Abdrücke
von
Wüstenfüchsen, Gazellen, Hasen und Springmäusen.
Nach
einer kurzen Kekspause besteigen fast alle die
Dromedare.
Es schaukelt mächtig auf dem Rücken dieser Kamele und
nach kurzer Zeit wissen wir, weshalb diese Tiere auch
Wüstenschiffe genannt werden.
12.30
Uhr: Mittagspause. Holz sammeln, Gemüse schnippeln
oder einfach nur zufrieden in der Sonne dösen. Es gibt
frisches Sandbrot und Salat. Die Mischung aus gekochtem
Gemüse, Kartoffeln und frischen Tomaten mit Tunfisch und
Oliven schmeckt lecker. Einige Datteln und Mandarinen
runden das Wüstenmahl ab.
Am
Nachmittag bietet sich ein herrliches Bild, ein unendlich
scheinendes Meer aus Sanddünen breitet sich aus. So stellt
man sich die Sahara vor und ist doch überwältigt.
Der Geist beruhigt sich, während die Sinne sich öffnen.
Das
Licht des Tages unterstreicht die Farben, verstärkt die Kontraste.
Der
Schritt der Chameliers ist gleichmäßig und wirkt fast
gemächlich. Alle Bewegungen sind gelassen und ruhig. Man
fühlt sich sicher und gut versorgt in ihrer Obhut.
Gegen
17.00h: Die Schatten im Sand werden länger. Die
Karawane hält an. Jeder zieht mit Campingmatratze, Decke
und Schlafsack los und sucht sich ein schönes Plätzchen
als
Nachtlager. Ali hilft, gibt Tipps: die Schlafstätten sollen
in
windgeschützten Mulden gebaut werden.
Laaidi stellt das Berberzelt auf; doch die meisten ziehen es
vor direkt unter dem Saharahimmel zu schlafen. Es ist schön,
den grandiosen Sternenhimmel zu beobachten.
Man trifft sich am Feuer, dem Herzen des Lagerplatzes. Nach
dem Essen, Suppe und Couscous mit Gemüse, erzählt Ali
Geschichten, wir lauschen seinen Erzählungen. Er ist in der
Wüste aufgewachsen und hat bis vor wenigen Jahren oft
Monate bei seiner Ziegenherde in der Sahara verbracht.
Anschließend trommeln die Männer und singen Lieder
von der
Liebe, von der Sehnsucht und von der Wüste, die sie alle
lieben - auch wir wissen, das war nicht unsere letzte Reise in
die Sahara. Inshallah.
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